Krise als Chance

Eine Krise kann eine Chance für persönliches Wachstum sein und eine Systemveränderung mit sich bringen oder es kann uns in die Knie zwingen und zur Depression führen. In einer Krise geht es auch, um Sinnfindung, um persönlichen Sinn, wozu die Krise gut ist und vielleicht auch um einen existenziellen Sinn, warum ist es gut auf der Welt zu sein oder was ist der Sinn meines Lebens.

Es gibt Lebensveränderungskrisen wie z.B. Pubertät, Verlassen des Elternhauses, Kinder bekommen, Umzug, Arbeitslosigkeit, Klimakterium oder Pensionierung sowie traumatische Krisen wie z.B. Kündigung, Krankheit, plötzliche Individualität, Untreue/Trennung, Todesfälle, Missbrauch, Gewalterfahrungen oder äußere Katastrophen.

Am liebsten ist es uns, wenn alles gut läuft und seine Ordnung hat sowie wenn wir die Kontrolle über unser Leben haben. Aber leider verläuft das Leben nicht immer nach unseren Wünschen und Plänen. Es passieren unvorhergesehene Ereignisse, die uns ganz schön aus der Bahn werfen können. Die Krise wird zur Herausforderung, um unser Leben zu meistern.

Das Leben stellt uns eine Frage, unsere Antwort kann Resignation, Hilflosigkeit oder Verbitterung sein. Wir hadern mit dem Schicksal und fragen uns, warum das gerade uns getroffen hat. Im Anfang einer Lebenskrise sind solche Reaktionen normal, schließlich wurde unser Leben ziemlich erschüttert. Wenn wir jedoch in unserer negativen Einstellung verharren, dann besteht die Gefahr eine psychische oder körperliche Erkrankung zu bekommen oder eine suizidale Handlung zu begehen.

Es gibt auch eine andere Reaktion. Viktor Frankl nennt dies: Trotzmacht des Geistes, hier wird trotzdem Ja zum Leben gesagt. Es wird ein Sinn in der Krise gesucht. Die Krise erhält dadurch eine Chance zur persönlichen Entwicklung und Reifung. Es kann ein positiver Wendepunkt im Leben eintreten und eine Neuorientierung stattfinden. Außerdem erschließen sich vielleicht neue Lebensthemen und es entstehen neue Kraftquellen durch die Bewältigung der Krise. In Krisenzeiten erkennen wir, was für unser Leben wirklich bedeutsam ist. Für manche wird der Glaube wichtig, andere achten auf ihre Gesundheit, Beziehungen werden achtsamer gelebt und vielleicht wird mit der Zeit bewusster umgegangen.

Die Frage ist, wie ist es möglich, Krisen besser zu bewältigen? Dazu gehört, die Krise auszuhalten und anzunehmen. Die Realität wird wahrgenommen. Das ist das, was mir passiert ist. Damit ist nicht gemeint, dass ich das gut finden muss, was mir widerfahren ist, sondern ich nehme die Gegebenheiten zur Kenntnis. Ich kämpfe nicht gegen mein Schicksal und hadere nicht mit Situationen, die nicht veränderbar sind. Dort wo ich etwas bewegen und verändern kann, werde ich die Chance natürlich nutzen, um meine Situation zu verbessern. Es ist sinnlos an etwas zu Leiden, was zum Positiven verändert werden kann.

Nach Alfried Längle bedeutet aushalten, die Kraft zu haben die Krise zu „tragen“, was (noch) nicht zu ändern ist. Er schreibt auch: „Was man annehmen kann, lässt Raum zum Dasein.“ (vgl. Längle/Holzhey-Kunz 2008, S. 35 f.) Zum Aushalten und Annehmen gehört auch sich selbst anzunehmen mit allen Stärken und Schwächen unseres Daseins.

Wichtig ist auch, sich Situationen aus der Vergangenheit in Erinnerung zu rufen, die bereits gelöst wurden. Sie haben bereits viele Herausforderungen erfolgreich bewältigt. Haben Sie das Selbstvertrauen in sich, auch diese Krise gut zu meistern.

Wenn Sie nicht alleine weiter wissen, dann scheuen Sie sich nicht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es muss nicht alles im Leben alleine geschafft werden. Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist eine große Stärke.

Tamara Gunacker