Teufelskreis der Verspannung

Verspannungen gehören zu unserem Leben schon fast dazu und sie beeinträchtigen unseren Alltag. Jedoch sind wir diesem Zustand nicht hilflos ausgeliefert. Es kann selbst etwas aktiv dagegen getan werden. Durch schmerzende, verspannte Muskeln wird Bewegung vermieden und eine Schonhaltung aufgebaut. Das problematische daran ist, dass durch die Vermeidung von Bewegung, sich die Muskeln immer mehr versteifen, was wiederum die Schmerzempfindlichkeit erhöht. Bei Wetterumschwüngen, Kälte oder Zugluft verschlimmern sich die Schmerzen dann oft.

Alltagsbewegungen werden aus Angst vor Schmerzen auf ein Minimum reduziert. Schließlich gewöhnt sich der Körper an den angespannten Zustand und merkt die unwillkürlich ablaufenden Muskelkontraktionen nicht mehr. Selbst im Schlaf werden die Muskeln, unbeabsichtigt ohne dass dies bewusst bemerkt wird, angespannt. Gerädert und voller Schmerzen ist dann das Erwachen. Nach einer heißen Dusche und etwas Bewegung, wird es dann ein bisschen besser. Im Laufe des Tages verstärken sich dann die Schmerzen, aufgrund der Schonhaltung, dem ständigem Stress, wiederholter Anspannung der Muskulatur sowie der gewohnheitsmäßigen Fehlhaltung. Das Gehirn passt sich der Bewegungseinschränkung an und vergisst wie sich entspannte Muskeln anfühlen. Thomas Hanna nennt dies sensomotorische Amnesie.

Willkürlich wird es immer schwerer die Muskeln zu entspannen. Durch gezielte Übungen, Massage, Körperwahrnehmung, Wärme und körperorientierte Beratung, können sich verspannte Muskeln wieder lösen. Vorher unbedingt ärztlich abklären lassen, was die Ursache der Beschwerden ist und ob Massage, Wärme und Bewegung empfohlen wird. Jedoch ist es nicht damit getan, nur kurzfristig etwas für seinen Körper zu tun. Denn wenn wir wieder ins alte Muster zurückfallen, beginnt alles von vorne. Bewegung sollte zur Gewohnheit werden. Unser Körper braucht die tägliche Bewegung sowohl körperlicher als auch geistiger Art. Ein erstrebenswertes Ziel ist, geistig und körperlich fit bis ins hohe Alter zu sein.

Wichtig ist wieder ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen. Es geht darum, die feinen Körpersignale zu erkennen und darauf zu achten, dass nicht Raubbau mit dem eigenen Körper betrieben wird. Werden die zarten Körpersignale überhört, müssen die Warnsignale des Körpers immer lauter werden.

Bewegungsübungen alleine sind jedoch zu wenig. Im Alltag sollte auf eine gute Haltung geachtet werden. Wer gymnastische Übungen macht und dann krumm vor dem PC sitzt, mit nach vorn gestreckten Kopf Auto fährt, stundenlang vor dem Fernseher in erstarrter Haltung verharrt, auf der Coach lümmelt, mit Rundrücken auf dem Sessel sitzt und sich im Alltag dauernd hetzen lässt, darf sich keine Wunder von der Gymnastik erwarten.

Wichtig ist, die Körperwahrnehmung zu schulen und im Alltag zu bemerken, wann eine ungesunde Haltung eingenommen wird, um der Fehlhaltung entgegen zu wirken. Achtsamkeit ist auch gefragt, wenn die Perfektionsfalle zuschlägt, Stress den Alltag regiert und die Erholung zu kurz kommt. Da ist es wichtig, rechtzeitig Pausen und Erholung einzuplanen und zu lernen nicht alles 150 % zu erledigen. Wenn die Wahrnehmung geschult ist, dann kann erkannt werden, welcher Zusammenhang mit den eigenen Beschwerden und dem Alltagsverhalten besteht und es kann dementsprechend gehandelt werden. Bei einer Tätigkeit, die mit Liebe und Hingabe gemacht wird, entsteht ein „Flow“ und die Arbeit geht leicht von der Hand. Sinnerfüllte Arbeit kann entspannend wirken und ist nicht anstrengend.
Wer gelernt hat, achtsam mit sich selbst umzugehen, seine Bedürfnisse kennt und in einer ausgewogenen Balance lebt, kann frühzeitig erkennen, wenn etwas im Leben nicht rund läuft und kann dann die richtigen Schritte setzen.

Literatur:

  • Hanna, Thomas (2010): Beweglich sein - ein Leben lang. Die heilsame Wirkung körperlicher Bewußtheit. Mit einem Übungsprogramm. Kösel-Verlag
  • Pohl, Helga (2010): Unerklärliche Beschwerden? Chronische Schmerzen und andere Leiden körpertherapeutisch verstehen und behandeln. Knaur Verlag

Tamara Gunacker